Ein Fest der Farben Die 6. Tattooconvention Bregenz überzeugte durch Charme und Location Es geht um Farben. Allerdings nicht um d...

Tattooconvention Bregenz

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Ein Fest der Farben


Die 6. Tattooconvention Bregenz überzeugte durch Charme und Location



Es geht um Farben. Allerdings nicht um das derzeit so im Trend liegende Holi-Feiern, sondern um etwas, das viel zeitloser ist und schon Jahrtausende überdauert: das Tätowieren. Die Geschichte der Tätowierung ist alt, auch Conventions sind keine Erfindung der letzten paar Jahre. 1940 gab es bereits in Nordamerika erste Zusammenkünfte von Tätowierern, 1956 dann auch in Deutschland. Die erste Convention, die nicht nur Künstler, sondern auch Publikum, Schaulustige und Supplier unter ein Dach brachte, organisierte 1976 Dave Yurkew in Texas.

Seither ist etwas Zeit vergangen, doch Conventions erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Man trifft auf Tätowierer, bei denen man im "normalen" Leben Jahre lang auf einen Termin warten müsste oder die einfach zu weit weg sind, um mal eben ein Tattoo abzuholen. Die Stimmung ist im Normalfall locker und gelöst und nirgendwo sonst sieht man Skins, Goths, Rockabillys und die Durchschnittshausfrau nebeneinander stehen. Farbe verbindet eben.

Kein Wunder also, dass auch bei der 6. Internationalen Tattooconvention in Bregenz (24. und 25. August 2013) volles Haus herrschte. Organisiert wurde die - bei Besuchern und Tätowierern gleichermaßen - beliebte Veranstaltung vom Fat Fogoo-Team, die ständig präsent und gut durchorganisiert die Besucherströme in Griff hatten. 

Auch was die teilnehmenden Künstler betrifft, wurde nicht zuviel versprochen. Paul Acker von Deep Six Labaratory aus den USA, Randy vom Heaven of Colours (Deutschland), Eva Schatz vom Mint Club (Österreich), Mr. Halbstark Mark (Deutschland), Csaba und Balász von der Penetration Inc (Österreich), Endre Szabo (Tattoo End London), Gerhard von der Wild Art Factory (Österreich) und Manuel & Tibor von Woodpecker Tattoo (Österreich) sowie Tommy Lee Wendtner (Deutschland) zählten zu den Szene-Stars, die bei der Arbeit bewundert werden konnten.

Die begnadete Eva Schatz bei der Arbeit


Denn neben all dem Spaß und der guten Stimmung, die auf einer Convention herrscht, darf nicht vergessen werden, dass es sich immer noch um Arbeit - auf beiden Seiten auch körperlich anstrengende - handelt. Tätowiert wurde wie im Fließband, selbst am Samstag Mittag, dem Conventionbeginn, waren die meisten Tätowierer bereits für beide Tage ausgebucht. Der Trend, Termine schon vorher zu vergeben, ist immer stärker wahrzunehmen. 




Eigentlich nicht der Sinn einer Convention, wo jeder zweite Besucher auf ein Walk-In Tattoo hofft. So bleibt nämlich nur noch die Chance, seinen persönlichen Lieblingskünstler dabei zu sehen, wie er jemand anderen tätowiert. Wahrscheinlich geht es dabei auch um die Minimierung eines wirtschaftlichen Risikos für den Tätowierer, weshalb vielleicht eine Aufteilung ganz gut wär. Samstags nur walk-ins und sonntags vorher vergebene Termine?



Wo wir schon bei Künstler-Kritik sind... an dieser Stelle geht ein großes Lob an Valesca. Diese weigerte sich, für eine Kundin zur Copy Cat zu werden und bot ihr an, das gewünschte Motiv für sie persönlich umzusetzen, andernfalls hätte sie es nicht tätowiert (hätte wahrscheinlich fast jeder Tätowierer vor Ort so gemacht; aber eben nur fast). Dafür gibt es mehr als nur einen Daumen hoch. Genausoviele Daumen gibt es nach unten für den Mitarbeiter von Ghostar Max, der zwei älteren Damen komplett dasselbe Tattoo - 1:1 übernommen von einem Foto dieses Motivs auf der Haut einer anderen Person - gestochen hat. Seine Begründung: "It's money..."

Auch das Rahmenprogramm konnte sich durchaus sehen lassen. Bei den diesjährigen Art Fusions sind wieder insgesamt sechs tolle Bilder entstanden, die für den guten Zweck (in diesem Fall für "Aktion Leben Vorarlberg") versteigert wurden. Tattoo Model Contest, Modeshow, Stahlzeit... alles da, was der bespaßungswillige Coventiongeher mag. Im Prinzip eignet sich das Festspielhaus hervorragend für eine derartige Veranstaltung. Die Gänge sind breit genug, dass man auch bei größerem Besucherandrang gut durch kommt und dadurch, dass die Side-Events im Seestudio - mit verschließbarer Tür Richtung Convention) stattfanden, gab es diese Dauerbequatschung und -Beschallung durch den MC nicht. Sehr angenehm. 


Weniger überzeugend war das Essensangebot direkt vor Ort (Würstel. Und für Vegetarier: die Semmel). Zwar hätte man runter ins angeschlossene Restaurant gehen können, aber so ein kleiner Snack zwischendurch wär auch für Vegetarier ganz praktisch gewesen, ebenso wie mehr Sitzmöglichkeiten, beispielsweise im oberen Stock. Aber das ist Mäkeln auf höchstem Niveau. Denn die Bregenzer Convention rockt und wir freuen uns aufs nächste Jahr.
Fotocredits: the1mag



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