Meeting: Oliver Jungwirth Im echten Leben arbeitet Oliver Jungwirth ja eigentlich im Sozialbereich. In seiner Freizeit allerdings widme...

Müll - der (einzig wahre) Trashfilm

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Meeting: Oliver Jungwirth


Im echten Leben arbeitet Oliver Jungwirth ja eigentlich im Sozialbereich. In seiner Freizeit allerdings widmet sich der Wahl-Linzer ehrgeizigen Buchprojekten (zB Sonnenglaster - Redaktionstipp!) und seiner Passion für Trashfilme. Mit "Müll - der (einzig wahre) Trashfilm" hat er es mittlerweile sogar bis zum Austria Independent Filmfestival in Wien geschafft, wo er am 24. November zu sehen sein wird (Breitenseer Kino). Premiere feierte "Müll" im Moviemento in Linz.

Eigentlich ist der Trashfilm ja nicht unbedingt unsere Lieblingsfilmart; wir lassen uns trotzdem auf das Experiment ein und lernen gleich zu Beginn: der Trashfilm hat Regeln. So müssen darin unbedingt Bikinigirls vorkommen, die technische Ausgereiftheit spielt eine untergeordnete Rolle, ebenso wie die Logik oder Plausibilität der Handlung. Man sieht (und macht) diese Filme aus Spaß an der Freude; und dass die Crew rund um Jungwirth diese hatte und auch vermitteln kann, ist bei soviel persönlichem Einsatz kein Wunder. Der Film ist - wenn man weiß, worauf man sich einlässt - durchaus sehenswert.

Selfie des Regisseurs



Gedreht wurde aus Rücksicht aufs (nicht vorhandene) Budget im Wald, bereits zu Beginn werden Bikinigirls vom Müllmonster, das dort lebt und sich an allen rächt, die seinen Lebensraum verschmutzen, dahingemeuchelt. Die Truppe junger Leute, die sich schließlich auf einem Zeltplatz einfindet, um ein Kinderlager vorzubereiten, kämpft sich nicht nur durchs Dickicht, sondern auch um das nackte Überleben. Und die Zerstörung des Müllmonsters...


Im Rahmen einer privaten Filmvorführung trafen wir den Regisseur und ließen uns unsere Fragen von Abfall bis Zecken beantworten:






Darf ein Trashfilm gesellschaftskritisch sein oder wäre das zuviel Anspruch?
Die meisten Trashfilme sind gesellschaftskritisch. Für mich sagt der Trashfilm ganz deutlich: "Euer Hollywood-Hochglanz Scheißdreck interessiert mich nüsse!" Nur weil mehr Budget für diese Filme da ist, werden sie nicht automatisch lustiger oder unterhaltsamer.

Hat der Film einen pädagogischen Anspruch?
Nein. Die Message war reiner Zufall. Ich hatte das Müllmonster und habe mir dann überlegt, wie man das am besten umbringt. Und die blödeste Idee, die mir gekommen ist, ist eben: Müllsäcke! Man räumt den Müll einfach weg. 

Was sind die coolsten Trashfilme?
Momentan gibt es extrem viele Hai-Trashfilme. Was mir gerade wirklich Spaß macht, ist "Ghostshark" - einer der blödesten Filme, den ich kenne. Oder auch "Sharktopus". Völlig irre ist auch "Tasmanian Devils". Aber auch da gibt es zwei, drei, die so schlecht sind, dass man sie nicht anschauen kann.

Findet man in "Müll" Anspielungen auf andere Trashfilme?
Nicht sehr offensichtlich, aber es gibt Zitate, ja.

Lagebesprechung des Casts
Wie hoch war euer Produktionsbudget?
Null. Alle, die sich an diesem Film beteiligt haben, haben das nur zum Spaß gemacht. Das Drehbuch ist schon mit dem Wissen entstanden, dass wir kein Budget für unseren Film haben werden. Die Crew bestand aus 25 - 30 Mitgliedern, die alle wussten, dass es keine Kohle dafür geben wird.

Wenn wir schon beim Drehbuch sind: Wie kann man sich den Prozess des Drehbuchschreibens vorstellen?
Langwierig (lacht). Aber das Drehbuch ist eigentlich nie fertig. Einige Szenen haben wir noch während des Drehs umgeschrieben. Von der Idee bis zur DVD-Endfassung sind ca. acht Monate vergangen; gedreht haben wir insgesamt 14 Tage. 

Im Film spritzt literweise Filmblut. Wieviele Liter davon habt ihr gebraucht - und wer hat das bezahlt?
Wasser, Mehl, Lebensmittelfarbe und das ganze aufgekocht - das war unser Filmblut. Davon haben wir 7,5 Liter verbraucht.

Ihr habt im Sommer im Wald gedreht. Wieviele Zecken habt ihr davon getragen? 
Also ich habe drei geschafft. Valerian, der für eine Szene mal längere Zeit am Boden herumliegen musste, während wir die Kamera umgebaut haben, hat sogar fünf geschafft.

Nun ist ja "Müll" nicht dein erstes Filmwerk - "Bluadsauga" ist auch von dir. Ein paar Worte dazu?
Es ist ein Film, der Vampire wieder böse macht. Unsere Vampire glitzern nicht, sie sind nicht romantisch-verklärt-lieb, sondern Arschlöcher, die ständig Menschen töten. Der Film ist technisch so schlecht, dass das einzig Gute daran die Handlung ist. Darum will ich davon nicht zuviel verraten. Man kann sich das Werk in voller Länge auf youtube ansehen. Anmerkung: hier. Vom "Bluadsauga" zu "Müll" war technisch wirklich ein großer Sprung.

Daniel Fischer als "Markus"

Was ist als nächstes geplant?
Daran scheiden sich die Geister. Seit fünf Jahren liegt das Drehbuch für die Fortsetzung von "Bluadsauga" in der Schublade - allerdings gehört daran noch gefeilt. Ich habe noch ein Drehbuch für einen Krimi im Columbo-Stil, das ich gerne verfilmen möchte. Eine Hommage an Columbo, sozusagen. Ich mag diese neuen Krimis nicht, wo alle alles wissen - Columbo ist angenehm anders. Der stellt einfach die richtigen Fragen. Es gäbe auch bei "Müll" Potential für einen zweiten Teil, obwohl ich eigentlich immer gesagt habe, dass es davon keine Fortsetzung geben wird.




"Müll - der (einzig wahre) Trashfilm" ist auf www.amazon.com oder direkt bei Oliver erhältlich, außerdem sind Fanshirts erhältlich.

Wir verlosen eine signierte DVD inklusive Filmplakat - wer mitmachen möchte, bitte einfach eine kurze Nachricht an claudia@the1mag.com senden!


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