Ramesh Nair - mehr als "der Inder" Viele kennen den gebürtigen Deutschen Ramesh Nair vor allem aus der TV-Fernsehwerbung als ...

Meeting: Ramesh Nair

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Ramesh Nair - mehr als "der Inder"


Viele kennen den gebürtigen Deutschen Ramesh Nair vor allem aus der TV-Fernsehwerbung als "der Inder". Doch der am 30. August 1975 in Landau geborene Mann ist mehr als nur ein Werbetestimonial. Bekannt wurde er vor allem durch seine vielfältigen Tätigkeiten als Tänzer, Sänger und Choreograf. Zur Zeit spielt er die Titelrolle für das Musical "Aladdin und die Wunderlampe" an der Oper Graz.


Wolltest du eigentlich schon immer Bühnendarsteller werden?
(c) Ramesh Nair
Ich wollte immer auf die Bühne. Es ging los, als ich damit anfing, diese Metro Goldwyn Mayer Filme mit Fred Astaire und Gene Kelly zu sehen. Ich habe mit sieben angefangen zu tanzen und wollte es den Darstellern im Film gleichtun und Tänzer werden. Mit 14 habe ich dann überlegt, vielleicht doch lieber Tanzpädagogik zu machen. Als ich dann Abitur hatte, wurde bei uns an der Ballettschule ein Casting für die Musicalproduktion "Manche mögen's heiß" in Heidelberg abgehalten. Ich habe als einziger dieses Engagement bekommen und kam dadurch in Kontakt mit Musicaldarstellern - ich habe gemerkt, dass man das auch studieren kann und von da an stand fest, dass ich Musicaldarsteller werden wollte.

Hast du auch noch andere große Vorbilder oder waren Fred Astair und Gene Kelly die einzigen beiden ausschlaggebenden?
Die beiden waren die größten Vorbilder. Ich abe natürlich Peter Alexander, Caterina Valente und Marika Rökk auch geliebt. Das waren meine Idole im deutschsprachigen Raum. Ich habe deren Karriere immer verfolgt und mitgefiebert.

Was haben deine Eltern zu deinem Berufswunsch gesagt?
(c) Manfred Werner
Die haben das am Anfang nicht so toll gefunden - wie die meisten Eltern von Kindern, die einen künstlerischen Berufsweg einschlagen. Man hört zuerst immer, wie unsicher die Branche ist, man kann sich nicht vorstellen, wie das einkommenstechnisch so ist. Sie hätten mich viel lieber als Bankkaufmann oder etwas Ähnliches gesehen. Als ich dann aber die Aufnahmeprüfung an der Universität Essen gemacht habe, haben sie mich noch belächelt. Doch dann wurden von 180 Bewerbern 3 genommen - und einer davon war ich. Ich glaube, sie waren erst wieder entspannt, als dann das erste Engagement kam, Fotos in der Zeitung waren, ich erste Erfolge hatte und mein eigenes Geld verdiente. Jetzt sind sie wahnsinnig stolz.


Und nach Wien bist du aus beruflichen Gründen gekommen?
Ja. Im letzten Semester meines Studiums erhielt ich eine Einladung aus Wien, um zum Vorsingen für "Ain't Misbehavin'" zu kommen. Ich bin nach Wien zum Casting und habe das Engagement auch tatsächlich bekommen. Anfangs habe ich mich in Wien nicht so wohl gefühlt. Es war Winter und ich kannte niemanden, mit der Mentalität kam ich auch nicht so klar. Ich wollte so schnell wie möglich weg, bin dann aber, wie man so schön sagt, hängen geblieben. Ich habe am Raimund Theater dann die Drittbesetzung der Hauptrolle von "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" bekommen, danach kamen weitere Engagements - insgesamt blieb ich fünf Jahre am Raimund Theater.
Mittlerweile habe ich natürlich auch schon ein berufliches Netzwerk und Freunde; trotzdem schließe ich nicht aus, irgendwann mal wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Bisher war ich zwischendurch immer wieder für Produktionen in Deutschland, bin aber immer wieder nach Wien zurück gekommen.

Eine österreichische Gratis-"Zeitung" hat behauptet, du hättest mittlerweile sogar schon die österreichische Staatsbürgerschaft. Stimmt das?
Nein, das war ein Fehler. Ich unterstütze das Projekt "Zusammen Österreich", das der damalige Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz ins Leben gerufen hatte. Künstler, erfolgreiche Menschen und Personen des öffentlichen Lebens mit Migrationshintergrund gehen dafür in Schulen und beeantworten Fragen von Schülern und Schülerinnen. Ich hatte damals schon vor, die Staatsbürgerschaft zu beantragen, jetzt bin ich schon so viele Jahre hier. Der Staatssekretär fand das toll. Wir haben also ein Foto gemacht, auf dem es jedoch so aussieht, als würde man mir schon den Pass überreichen. Diese "Zeitung" hat dann getitelt mit "Inder freut sich über die Staatsbürgerschaft". Das war aber eine Zeitungsente.

Fühlst du dich mehr wie ein Deutscher oder wie ein Österreicher?
Ich fühle mich wie einer, der überall hin und dann doch nirgendwo dazu gehört. Das ist aber kein negatives Gefühl, sondern ich fühle mich dadurch relativ frei. Ich finde es toll, dass ich soviele verschiedene Einflüsse von verschiedenen Kulturen und Mentalitäten in meinem Leben vorfinden kann.

Hast du noch einen großen Bezug zu Indien, dem Geburtsland deiner Eltern?
Am Anfang habe ich mich früher immer total unwohl gefühlt. Ich war irgendwie keiner von ihnen, aber auch kein Tourist; da kommt dazu, dass ich die Sprache nicht spreche. Über die Sprache würde man sich viel mehr verbinden. Je älter ich wurde, umso mehr spürte ich dann meine Wurzeln und woher meine Familie kommt. Ich habe eine riesige Familie. Meine Mutter hat neun Geschwister, mein Vater vier und alle haben wiederum Kinder. 

In den letzten Jahren konnte ich immer mehr sagen, wieder "nach Hause" zu fliegen. Da streife ich meine europäische Haut ab und schlüpfe in die indische Haut, passe mich dort an. Der nächste Trip ist auch schon wieder geplant. Wahrscheinlich fliege ich im Januar oder Februar wieder hin. Seit 2009 habe ich in Indien auch ein Patekind. Ich unterstütze die karitative Institution "Zukunft für Kinder". Mein Patenkind habe ich auch schon zweimal in Kalkutta besucht.

Apropos Kinder: Du hast jahrelang auch intensiv talentierte Kinder und Jugendliche (Anm: die "Sophistikids" und später dann die "Sophisticated Showstars") betreut und gecoacht. Welchen Ratschlag hast du "deinen" Zöglingen auf den Weg gegeben?
Der allerwichtigste ist wahrscheinlich, nie aufzugeben und dass man in diesem Beruf, der nicht sehr einfach ist, immer weiter an sich arbeiten muss und dass er viel Disziplin und Ausdauer erfordert. Man muss aber trotzdem fair und ehrlich bleiben. Und am Boden.

Du bist ja vielbeschäftigt, was man so hört...?
Ja. Ich durfte schon inszenieren, choreografieren, schreiben, moderieren, Werbe-Testimonial sein, modeln, ich schreibe Konzepte, ich coache, ich unterrichte und auch das Moderieren macht mir wahnsinnig viel Spaß. Im Bereich Fernsehen, Film und TV möchte ich schauspielerisch noch weiter kommen. 

Für einen Mobilfunkanbieter schlüpfst du regelmäßig in die Rolle des "Inders". Siehst du dich eher als Bühnendarsteller oder als Werbe-Ikone?
Ich glaube, das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge und es war mir auch immer wichtig, beides parallel laufen zu lassen. Das Eine hat das Andere auch nie gestört, im Gegenteil. Die normalen Zuschauer denken wahrscheinlich, dass ich 24 Stunden am Tag für die Werbung arbeite. Fakt ist, dass man eine Kampagne erarbeitet, dann läuft die halt zwei, drei Monate durch.

Und warum hat man sich gerade für den Inder als Werbefigur entschieden?
(c) Telering
Das muss man die Agentur fragen. Zum Casting kamen, glaube ich, auch ganz viele verschiedene Typen, aber dankenswerterweise und glücklicherweise hat man sich für mich entschieden. Vor anderthalb Jahren hat sich die Werbestrategie ein bisschen verändert, der Inder ist zum "Inder Hood" geworden. Ich bin sehr froh, dass man dann wieder mich gefragt hat, denn das macht mir wahnsinnig viel Spaß.

Gibt es einen Film oder ein Buch, das du gerne als Musical inszenieren würdest?
Das ist eine coole Frage. Das hat bis jetzt noch niemand gefragt. Da müsste ich jetzt mal überlegen. Ich bin ein Fantasy-Freak und mag Katastrophen-Filme, aber das würde ich jetzt nicht als Musical sehen wollen. Spontan fällt mir da gar nichts dazu ein, da müsste ich erstmal drüber schlafen.


(Das Interview hat Julia Börner geführt)
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