Sonntagabend. Das Wetter ist deprimierender als ein Nacktfoto von Justin Bieber. Passend zur Stimmung schlägt die Beste aller besten Freund...

Kino-Hölle

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Sonntagabend. Das Wetter ist deprimierender als ein Nacktfoto von Justin Bieber. Passend zur Stimmung schlägt die Beste aller besten Freundinnen vor, doch ins Kino zu gehen und das auf historischen Tatsachen beruhende Filmdrama "12 years a Slave" (unter der Regie von Steve McQueen und nach einem Drehbuch von John Ridley entstanden) anzusehen. Wir nahmen an, dass das unsere Stimmung nicht unbedingt bessern würde. Wir lagen falsch.

Ich liebe es, ins Kino zu gehen. Man ist aufgeregt und freut sich auf den Film, im besten Fall hat man sogar von der Riesenportion Popcorn noch etwas übrig, wenn man die Vorschauen hinter sich gebracht hat und der eigentliche Film beginnt (nur, um dann supersexy Actionheldinnen bei der Arbeit zu beobachten und zu schwören, nie nie wieder etwas anderes als fettfreies Wasser zu sich zu nehmen). Kürzlich fanden sich die Beste und ich also in "12 years a Slave" wieder.

Das Kino war zu einem Drittel gefüllt, die letzten Reihen vollbesetzt. So kam es, dass ich mich neben einer eher minderklugen Frau wieder fand; neben ihr wiederum ihr Freund, Mann, Lover oder wie auch immer. Der Film beginnt mit "Washington, 1848". Solomon (Chiwetel Ejiofor), ein gut gekleideter dunkelhäutiger Mann, wird gezeigt; es ist ersichtlich, dass er ein angesehener Mann in seiner Stadt ist. Er wird gegrüßt und ist bekannt. Nachdem seine Frau mit den Kindern für einige Zeit verreist, nimmt er ein Jobangebot von offensichtlich zwielichtigen Gestalten an. Diese versprechen ihm, ihn für seine Dienste als Geiger in ihrer Schaustellertruppe fürstlich zu entlohnen. Das machen sie auch, aber nur, um ihn daraufhin ordentlich abzufüllen. Schnitt. Solomon, der Hauptdarsteller, wacht auf und findet sich in Ketten wieder. 

Meine Sitznachbarin (nennen wir sie der Einfachheit halber einfach "Dummchen") in voller Lautstärke: "Das versteh ich aber nicht. Wieso ist der jetzt gefesselt? Die haben ihm doch Geld gegeben." Ihr Freund/Mann/Lover erklärt ihr geduldig die Grundprinzipien von Filmschnitt und dass die Solomon entführt haben.

Nächste Szene. Wechsel in die Südstaaten (den Hinweis "Georgia, 1848" kann man ja auch leicht übersehen, bzw. hat der Dummchen halt nichts gebracht). Gemeinsam mit anderen dunkelhäutigen Menschen findet sich Solomon auf einer Sklavenauktion wieder. Die Weißen begutachten die wie Vieh ausgestellten Menschen.
Dummchen: "Schatzi, warum kaufen da jetzt die Weißen die Schwarzen?"
Schatzi: "Die kaufen da Sklaven!"

Dummchen ist zufrieden, aber nur kurz. Die Sklaven werden auf eine Zuckerrohrplantage gebracht, wo ihnen der Vorarbeiter zeigt, wie sie die Pflanzen zu schneiden haben.
Dummchen: "Warum müssen die das machen? Wozu braucht man Zuckerrohr?"
Ja, klar. Zucker wird aus Cola extrahiert. Schatzis Antwort habe ich leider nicht mitgekriegt, weil ich der Besten aller besten Freundinnen ungläubig den O-Ton von Dummchen übermittelte. Die Beste dachte da tatsächlich noch, ich würde sie verarschen. War nicht so, kam nämlich noch besser.




Die Frau des Sklavenhalters schickt Solomon in die nächste Stadt, um ihre Einkäufe zu tätigen. 
Dummchen: "Aber warum läuft der nicht einfach weg?"
Südstaaten, 1848. Solomon ist dunkelhäutig. Naja, gut. Er könnt sich ja bemühen und sich weiß stellen. Und richtig, richtig schnell laufen.

Schon da war ich den (Lach-)Tränen nahe, aber wir haben immer noch nicht den Tiefpunkt von Dummchens Intelligenz erreicht. Als sich Sklavenhalter 1 nämlich seiner Sklaven entledigt, kommt es nochmals zu einer Art Begutachtung durch Weiße.
Dummchen: "Schatzi, das versteh ich jetzt aber gar nicht. Die Menschen kriegen das ja alle mit, dass die da Sklaven haben. Wieso tut da niemand was dagegen?"
(Krieg! Es gab einen Krieg!)

Wirklich wunderbar wurde es dann, als ein Bekannter Solomons mit dessen Freiheitspapiere sich auf den Weg von Washington nach Georgia macht, um Solomon zu befreien. Er kommt mit den Papieren zur Plantage und verlangt vom Sklavenbesitzer, Solomon frei zu lassen.
Sklavenbesitzer: "Das ist mein Eigentum. Es ist mein gesetzlich verbrieftes Recht, mit meinem Eigentum machen zu dürfen, was ich möchte."
Dummchen: "Also ich hab echt nicht gewusst, dass Sklaverei gesetzlich erlaubt ist..."

Mann/Freund/Lover war bis zum Ende wirklich sehr bemüht um sein Dummchen, wir sind uns aber sicher: Mittlerweile hat sie auf Facebook eine Gruppe gegründet: "Gegen Sklaverei in Amerika" (Ja, gibt's immer noch, nur nennen wir es heute "Arbeiten bei Abercrombie & Fitch").


Die Beste aller besten Freundinnen und ich haben uns leider nicht mehr eingekriegt vor lachen, was uns wirklich peinlich war. Immerhin ist der Film sehr sehenswert und sehr berührend, außerdem auch traurig und grausam - aber wir konnten nicht anders. Toastbrot weise dagegen, quasi. Was daran doppelt traurig ist: Kein Wort dieses Artikels ist erfunden.




Fotocredit: www.imdb.com
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