Den hätten wir jetzt fast verpasst... Zugegeben, für ein September Editorial kommt dieser Beitrag hier reichlich spät. Als Entschädigun...

Editorial September

By | 17:46 Leave a Comment

Den hätten wir jetzt fast verpasst...


Zugegeben, für ein September Editorial kommt dieser Beitrag hier reichlich spät. Als Entschädigung erzähle ich euch heute dafür eine kleine Geschichte, die mir sehr zu denken gegeben hat. 



Also, da ich ja mein Leben zu einem großen Teil in vollen Zügen (der Österreichischen Bundesbahnen) genieße, also zum pendelnden Volk zähle, begegnet mir auch Tag für Tag eine Unmenge Menschen. So saß beispielsweise vor einem Monat ein alter Sack älterer Herr bei mir im Abteil, der mich während eines Großteils der Fahrt beobachtete. Nun ist das an sich schon eine eher unangenehme Situation (was will man auch sagen? "Mir passt nicht, wie Sie mich ansehen" kommt ja auch nicht so gut), dann hat der Typ aber auch noch das Gespräch mit mir gesucht, anfangs eher harmlos, dennoch hat er versucht, herauszubekommen, wo ich arbeite ("In Wien!" war ihm nicht genau genug, aber ich kann auch stur sein, wenn ich will), er wollte mit mir Kaffee trinken gehen und meine Telefonnummer. Eine unangenehme Situation; ihr hättet den Typen reden hören sollen!) Nun steh ich erstens nicht auf grauhaarige Lustmolche Endfünfziger (Wie immer: George Clooney ausgeschlossen) und zweitens: wuäh.

So weit, so gut. Wäre ja eigentlich keine Geschichte wert, Sugar Daddy soll das Recht nicht genommen werden, sein Glück zu versuchen, auch wenn die Situation gruselig und creepy war. Doch kürzlich kam ich (leider) wieder (unabsichtlich) im selben Abteil wie er zu sitzen. Da ich einfach zu nett bin, um Dinge wie: "Alter, ich will weder mit dir reden, noch mit dir Kaffee trinken gehen, geschweige denn sonstwas" zu sagen oder einfach meine Sachen zu packen und zu gehen, ließ ich mich halt wieder ein wenig in ein Grusel-Gespräch verwickeln und versuchte, ihn durch kurze Antworten, Ignoranz und deutliche Genervtheit abzuwürgen, schickte aber einen virtuellen Hilferuf via Messenger (Wie soll ich dem alten Sack klarmachen, dass er seine lüsternen Anmachsprüche lassen soll?) an einige Freunde. Und jetzt kommt der Teil, der mich wirklich nachdenklich gemacht hat.

Während von meiner Freundin und Kollegin Regina tutto pronto Hilfe erfolgte (Anruf, Dialog folgendermaßen: Bist du auch im Zug nach X? Wo sitzt du denn? Setz dich doch zu mir! - Ich komm schon, muss nur schnell meine Sachen packen!"), reagierten einige meiner männlichen Freunde komplett anders. "Selber schuld, hättst dich halt nicht aufgebrezelt" bzw. "Ich kanns ihm nicht verdenken, siehst ja auch gut aus!" war der Tenor der Antworten.

Hm... echt jetzt? Die Tatsache, dass ich nicht in einen Kartoffelsack gekleidet, sondern in Jeans, Converse, Kapuzenpulli (jaaaa, ich hab die besonders sexy Teile angehabt! *Ironie*) und halt geschminkt im Zug sitze, erlaubt jemandem, mich zweimal zu belästigen? Ich hatte echt gedacht, in meiner Generation (Endzwanziger) - und vor allem in meinem Freundeskreis - wär es in nicht mehr die Schuld der Frau, wenn ein Mann ein (wenn auch implizites) "Nein" nicht akzeptiert. Liebe Freunde, ich hoffe, ihr habt nur (schlecht) gescherzt. Oder den Eintritt ins 21. Jahrhundert verpasst.
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